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Oberuferer Weihnachtspiele

 

[ Feste und Feiern]

Rudolf Steiner Dornach, 14. Dezember 1923

Wir erlauben uns heute, Ihnen zwei Spiele aus altem Volkstum vorzuführen, welche jener Reihe von Spielen angehören, die zu den Festeszeiten im alten christlichen Volkstum des Mittelalters oftmals und für weite Gegenden gespielt worden sind.

Wir müssen uns nämlich klar darüber sein, dass die Festesgelegenheiten zur Zeit etwa vom 12., 13. Jahrhundert bis eigentlich zum vorigen Jahrhundert, noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts, dass die großen Feste des Jahres - das Weihnachtsfest, Osterfest, Pfingstfest, auch einige andere Feste - in christlichen Gegenden ganz außerordentlich bedeutsame Einschnitte des Jahres waren. Und wie das christliche Jahr überhaupt zugeteilt ist an alles das, was das Bewußtsein durchdringt, so wird das menschliche Herz zu besonderen Zeiten geradezu aufgerufen, diese Erinnerungen zu durchdringen mit demjenigen, was wiederum die größten Tatsachen im religiösen Leben und im religiösen Bewußtsein sind.

Es gibt Osterspiele, es gibt Pfingstspiele, Fronleichnamspiele, auch Spiele zu anderen heiligen Festen. Die liebenswürdigsten, die besonders tief ins Gemüt gehenden solcher Festspiele waren die Weihnachtsspiele. Diese Weihnachtsspiele sind uns insbesondere aus denjenigen Zeiten erhalten, in denen das Mittelalter zu Ende gegangen ist. Und auch diejenigen zwei Spiele, die wir Ihnen heute vorführen, stammen aus dem zu Ende gehenden Mittelalter. Sie sind wohl noch im 16. Jahrhundert überall gespielt worden, in den Gegenden sogar hier ringsherum. Sie werden es bei dem einen der Spiele finden, wie darauf hingewiesen wird, wie die Sonne über den Rhein scheint. Daraus können Sie entnehmen, dass diese Spiele in einer Rheingegend ursprünglich heimisch sind. Aber gerade diejenigen Spiele, die wir Ihnen heute vorführen, sind nicht hier in diesen Gegenden gefunden; sie sind aufgefunden von meinem alten Lehrer und Freund Karl Julius Schröer, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, in jenen Gegenden Oberungarns, die dazumal eigentlich noch urdeutsch waren, deren Deutschtum heute längst verklungen ist, dem slawischen und magyarischen Element Platz gemacht hat. In diesen Gegenden waren deutsche Kolonien, wie sie ja überall in Ungarn zerstreut sind. In der Preßburger Gegend, nördlich von der Donau, auch weiter hinüber, südlich von den Karpaten, das sogenannte ungarische Bergland entlang hinein bis nach Siebenbürgen; wiederum unten an der unteren Donau, im sogenannten Banat. In der letzteren Gegend sind die Schwaben sesshaft geworden, die ausgewandert sind aus Deutschland; in den Gegenden des nördlichen Ungarn, in den Gegenden, aus denen diese Spiele stammen, haben wir sächsische Kolonisten. Diejenigen aber, welche diese Spiele gepflegt haben, sind wahrscheinlich sogar alemannischen Ursprungs und sind ursprünglich sesshaft gewesen wohl in den Gegenden, die das Elsaß umfassen und die nördlich von dem die Nordgrenze der Schweiz bildenden Rhein gelegen sind. Diese Deutschen sind ausgewandert, haben sich niedergelassen in der Preßburger Gegend, nördlich von der Donau, der sogenannten Oberuferer Gegend, und haben als ein teures Andenken an ihre alte, mehr westlich gelegene Heimat diese Weihnachtspiele sich mitgebracht.

Jedes Jahr, wenn das Weihnachtsfest herannahte, fing man an, diese Weihnachtspiele im Dorfe einzustudieren. Eigentlich fing man schon damit an, wenn die Weinlese vorüber war. Da tat sich derjenige um, welcher diese Weihnachtspiele in seiner Familie bewahrte; eine wohlangesehene Familie war es in den einzelnen Dörfern, welche diese Spiele aufgeschrieben hatte, und wiederum der angesehenste und älteste der Familie war der sogenannte Lehrmeister. Er sammelte um sich, wenn die Weinlese vorüber war, im Oktober schon die Burschen. Nur Burschen durften dazumal spielen.

Er sammelte die Burschen, welche er tauglich fand, nicht nur in künstlerischer Beziehung, in volkstümlich künstlerischer Beziehung, sondern auch tauglich fand in moralisch-religiöser Beziehung. Es wurde ja sogar den Burschen während des Studierens, der Vorbereitung, auferlegt, ein besonders frommes Leben zu führen, damit sie durch ihre ganze Gesinnung, wenn sie zu Weihnachten auftreten sollten, in der richtigen Weise für dasjenige, was in diesen Spielen enthalten war, eintreten konnten. Dann wurde von Woche zu Woche studiert und in strenger Weise darauf gesehen, dass alles dasjenige, was ringsherum war, wirklich auch beobachtet wurde in diesen alten Spielen. Es war eigentlich alles bestimmt, wie jede einzelne Person sich zu verhalten hat. Nachdem lange Zeit diese Spiele vorbereitet waren, die Weihnachtszeit herannahte, rüsteten sich dann diejenigen, die vom Lehrmeister durch viele Wochen hindurch unterrichtet worden waren, und zur Weihnachtszeit zogen sie zunächst im Dorfe herum, zogen dann nach jenem Wirtshause hin, das man zur Aufführung ausersehen hatte. In einem einfachen Wirtshause wurde nun mit den denkbar einfachsten Mitteln dasjenige aufgeführt, was Sie in den zwei heutigen Spielen sehen werden. Es sind zwei Proben davon, wie man die Heilige Geschichte dargestellt hat.

Das erste Spiel stellt dar die Paradeis-Geschichte, die Versuchung von Adam und Eva. Das zweite Spiel stellt dar, dass Christus erscheinen wird den Hirten zu Bethlehem, und alles dasjenige, was sich daran angeschlossen hat.

Zweierlei, meine sehr verehrten Anwesenden, ist aus diesen Spielen ersichtlich. Erstens, wie tief in das Gemüt mit einer echten, ehrlichen Frömmigkeit das Christentum eingeströmt war. Und auf der anderen Seite auch, wie jede Sentimentalität dazumal noch diesen einfachen Leuten fremd war. Ein sentimentales Wesen, das immer etwas unwahr ist, irgend etwas falsch Mystisches, was durchaus nicht mit dieser echten, ehrlichen volkstümlichen Frömmigkeit irgendwie verknüpft.

Ich selber war im tiefsten Sinne hingerissen, als ich, als ganz junger Kerl, von meinem verehrten Lehrer, Karl Julius Schröer, dazumal Ende der siebziger Jahre, Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, diese Weihnachtsspiele kennenlernte, und ich beschäftigte mich dann selber viel damit. Und so darf versucht werden, dasjenige vorzuführen, was meiner Ansicht nach durch, man kann sagen, Jahrhunderte in deutschen Gegenden Mitteleuropas jedesmal um die Weihnachtszeit mit einer ehrlichen, elementarischen Frömmigkeit gefeiert worden ist, was dann als treues Erbstück hinübergebracht worden ist in die damaligen deutschen Kolonien in Ungarn, so wie es in diesen alten Zeiten vorgeführt worden ist. Allerdings ganz so primitiv kann man es nicht machen. Aber so gut als möglich muss man es machen. Und wir machen es hier so, dass man durchaus eine Vorstellung davon bekommt, wie es zu Weihnachten in diesen deutschen Kolonistendörfern aussah. So - heraufholend ein Stück christlichen deutschen Volkstums - sollen diese Weihnachtspiele jetzt in einer unverfälschten Gestalt vor Sie hintreten.

Sie werden sehen, wie alles aber darauf abgestellt ist, die Darstellung zu etwas Intimem zu machen, welches das ganze Publikum - es war ja das einfache Dorfpublikum - miterlebte. Daher werden Sie sehen den Sternsinger, der auftritt, um die ganze Sache einzuleiten. Sie werden sehen, wie er in der Tat die Brücke von den Spielenden zu dem Publikum hin bildet, so dass alles einen außerordentlich gemütvollen, innigen, herzlichen Ausdruck haben kann. Das, was ich Ihnen sagte, was einen nur veranlassen kann, diese Überlieferungen aus altem Volkstum lieb zu haben, hat dazu geführt, dass wir gerade innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung jedes Jahr auch das Spielen dieser alten Volksstücke zu unserer Aufgabe gemacht haben, und es nun auch dieses Jahr wiederum tun. Und dazu haben wir Sie eingeladen.

Gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist so vieles von diesen alten

Dingen verschwunden, und man muss eigentlich dankbar dafür sein, dass ein Mann, der als Gelehrter im Volkstum gelebt hat, wie Karl Julius Schröer, sich selber zu den Lehrmeistern hinbegeben hat, sich hat vorsagen lassen dasjenige, was der Lehrmeister oder diejenigen, welche Mitspieler waren, im Gedächtnis gehabt haben. Denn sie haben ihm etwas gesagt, was wirklich jahrhundertealtes, heiliges Gut ist. Und so ist es erhalten worden. Im Volkstum ist es leider heute höchstens in ganz vereinzelten Gegenden vorhanden, wo es auch übrigens wieder versucht wird unverfälscht zu geben. Es lebt eben ein Stück alten Volkstumes auf, wenn wir uns so in die Dinge vertiefen, wie es durch eine möglichst unverfälschte Darstellung, wie wir sie nun versuchen, geschehen kann. In diesem Sinne die Sachen anzusehen, hatten wir Sie freundlich eingeladen, dieses alte Volksgut mit uns anzusehen.

Im Anschluß an die beiden Aufführungen von dem "Paradeis-Spiel" und von dem "Christ-Geburt-Spiel" in Dornach am Freitag, den 14. Dezember 1923, reiste die Spielergruppe am Samstag zur Probe nach Schaffhausen, wo am Sonntag, den 16. Dezember 1923, die beiden Spiele aufgeführt wurden. Rudolf Steiner kam am Sonntag nachgefahren und hielt eine Ansprache, von der sich aber keine Nachschrift erhalten hat. Dann reiste er weiter nach Stuttgart. Marie Steiner war damals in Berlin. -

In dem 1967 erschienenen Buch: Rudolf Steiner/Marie Steiner- von Sivers "Briefwechsel und Dokumente 1901-1925" schreibt Rudolf Steiner mehrmals über dieses in Vorbereitung befindliche Gastspiel.


   

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