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[Inhalt]

Wie modern ist Theodor F.?

Die illustrierte Revolution

Brecht am Rande - in Buckow bei Berlin

Ein König kommt sich selbst abhanden

Die Aussteiger von Citeaux und Chorin

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Wie modern ist Theodor F.?

Das Fontane-Archiv in Potsdam will im Jubiläumsjahr des Dichters wieder von sich reden machen/Der Besuch im neuen Haus - eine Empfehlung auch für Günter Grass

Worum ging´s eigentlich im Streit, den Günter Grass mit seinem letzten großen Roman entfacht hat? Und wie lautete doch Ihr gröbster Einwand, Herr Reich-Ranicki? Doch zumindest ein Ort des episch ausladenden Geschehens um Wende und Treuhand, Fonty und Hoftaller hat gute Chancen, nun auch dank eigener Mühen, nicht so schnell wieder aus dem öffentlichen Gedächtnis zu verschwinden: Das Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam. Durch einen Kunstgriff des Autors Grass aus dem Halbdunkel geholt...

"Wir vom Archiv...", wird der Leser gleich im ersten Satz bei der Hand genommen. Da sah sich die kleine Schar der Mitarbeiter, auch schon mal "Fußnotensklaven" genannt, in den Rang des erzählenden Subjekts erhoben. 1995, zur Premiere des Prosa-Massivs, blickte das Unternehmen gerade auf 60 bewegte Jahre zurück, und nur wenige hätten überhaupt von seiner Existenz Notiz genommen, wenn nicht Grass den Maulwurf gespielt hätte.

Nun, im Fontane-Jahr 1998, sind die Aussichten gut, der Einrichtung in Brandenburgs Landeshauptstadt erneut Aufmerksamkeit zu sichern - über den Kreis der Experten und Liebhaber hinaus. Mit einem Perspektivwechsel auf den Mann, der vor 100 Jahren starb. Mitte September wird sich ein internationales Symposium mal nicht mit dem unermüdlichen "Wanderer durch die Mark" befassen, sondern Fontane als Autor der Jahrhundertwende zum Thema machen. "Uns ist aufgefallen", erläutert Hanna Delf von Wolzogen, Leiterin des Archivs seit gut einem Jahr, "daß Fontane allzu sehr als Romancier des 19. Jahrhunderts begriffen wird. Dabei wird seine Modernität übersehen."

Die mehr als 60 Forscher aus Europa, Japan und den USA interessiert, was Fontane im letzten Lebensjahrzehnt wahrgenommen, inwieweit er Tendenzen des 20. Jahrhunderts erspürt hat, auch so verheerende wie Nationalismus oder Antisemitismus. Delf von Wolzogen: "Fontane wird immer ein Autor des vorigen Jahrhunderts bleiben. Aber wir müssen uns ja nicht auf den Standpunkt stellen, den er eingenommen hat." Es ist deshalb mehr als eine Kuriosität, wenn ein Referent der Körpersprache bei Fontane nachgehen will: Wie bewegen sich die Figuren in "Effi Briest" oder "Frau Jenny Treibel"?

Die Veranstaltung in Potsdam wird allenfalls am Rande Gespräche über Tradition und Aufbruch des Archivs selbst ermöglichen. Daß es dafür genug Stoff gäbe, zeigt der Blick in die über weite Strecken unglückselige Geschichte des Fontane-Nachlasses: Zerstreut und zerstoben, versteigert und geplündert, ließe sich dramatisierend, aber nicht gänzlich an der Wahrheit vorbei dazu feststellen. Sie klingt wie ein Krimi und beginnt nicht erst 1935, als die Provinzialverwaltung Brandenburg Bestände von den Erben käuflich erworben und das Archiv als öffentliche Einrichtung in Berlin begründet hatte. Da war der Nachlaß durch Versteigerungen bereits geschrumpft. 1939 ging das Archiv nach Potsdam. Am Ende des Zweiten Weltkrieges erlitten die ausgelagerten Bestände erhebliche Verluste: fast drei Viertel der Handschriften, beinahe alle Briefe, gingen durch Diebstahl und Plünderung verloren.

Zu DDR-Zeiten führte das (zuletzt der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin zugeordnete) Archiv eine "Nischen-Existenz" und erwarb sich durch Publikationen und Veranstaltungen zunehmend internationale Anerkennung. Die Adresse, damals noch in Potsdams Dortustraße, hatte unter Kennern einen guten Klang, aber die veraltete Ausstattung und so manche Gewohnheit der Mitarbeiter standen zum Renommee in einem liebenswürdig-komischen Kontrast. Grass hat das treffend eingefangen. Als Anfang der neunziger Jahre die Gefahr neuer Zersplitterung bestand, konnte durch Rückführung des Archivs in die Obhut des Landes Brandenburg das Errungene bewahrt werden: die Nutzung der Sammlungen an einem Ort.

Dauerleihgaben und auf Auktionen Neu- oder Wiedererworbenes haben im Lauf vieler Jahre die Bestände aufgestockt und sichern, daß das Literaturarchiv seiner wichtigsten Aufgabe nachkommen kann, Person und Werk Fontanes der Forschung, Edition und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Etwa 8800 Handschriften, 5400 Abschriften und Kopien zum Teil verschollener Originale, 5000 Bände von und über Fontane, 10 000 Zeitungsartikel und Zeitschriftenaufsätze bilden den Kern. Sogar ein Teil der 148 Bände aus der Handbibliothek des Schriftstellers findet sich in seinem alten Bücherschrank aus der Wohnung in Berlins Potsdamer Straße 134 c. Anfang 1997 zog das Fontane-Archiv in ein wiederhergerichtetes Holländerhaus um: Am Bassin 4. Das war die erste Amtshandlung der neuen Chefin. Hanna Delf von Wolzogen (ein Doppelname, ihr Mann bringt die bekannte Familie mit) war zuvor Geschäftsführerin des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrums, studierte in Gießen, Frankfurt/Main und Heidelberg und bekennt sich zu ihrer märkischen Herkunft. Grass ist sie übrigens hier nicht begegnet. Wie auch. Aber selbst am alten Ort wäre das nicht gegangen. Der Autor von "Ein weites Feld" hat die Schwelle des Theodor-Fontane-Archivs nie überschritten.

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Theodor-Fontane-Archiv
Am Bassin 4, 14467 Potsdam
Postfach: 60 15 45, 14415 Potsdam
Telefon: 0331/29 29 83
Fax: 0331/270 96 81

"Theodor Fontane. Am Ende des Jahrhunderts"
Internationales Symposium des Theodor-Fontane-Archivs
13. bis 17. September 1998, Potsdam, Hotel "Voltaire"




 
 
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Die illustrierte Revolution

Neuruppiner Bilderbogen unterhielten ihr Publikum zu einer Zeit, als an das Fernsehen noch nicht zu denken war

"Der Satan ist wieder los", schimpfte Preußens Friedrich Wilhelm IV. Die Pariser hatten sich die Freiheit genommen, auf die Straße zu gehen und ihren "Bürgerkönig" Louis Philippe davonzujagen. So geschehen im Februar 1848. Keine vier Wochen später standen in Berlin die ersten Barrikaden, nachdem der Aufruhr in Baden und andernorts die deutsche Grenze überschritten hatte. Der Bazillus verbreitete sich schnell über den ganzen Kontinent; zwischen Dänemark und Sizilien, Großbritannien und Griechenland erscholl der Ruf nach Reformen oder belebte sich die politische Öffentlichkeit. Nur Rußland widerstand dem Sog.

Wie erfuhren die Leute damals, was beim Nachbarn vor sich ging? Ohne flimmernde Live-Berichterstattung aus den Brennpunkten des Geschehens. Eine Antwort darauf erhält man aus der märkischen Provinz. Während nämlich Europas Metropolen von Schlachtenlärm und Pulverdampf erfüllt waren, saß in einer kleinen Stadt nördlich von Berlin ein musisch begabter Geschäftsmann über seinem Lithostein und zeichnete auf, was sich "da draußen" begab: die Schlacht der Preußen gegen die Dänen, das Bombardement von Prag, sogar die "Neger-Revolution auf Martinique". Der Mann hieß Gustav Leopold Kühn und betrieb in Neuruppin eine vom Vater übernommene Druckerei. Seit Jahrzehnten mit der Herstellung von sogenannten Bilderbogen befaßt, mit farbigen Blättern also zu rührigen Alltagsszenen, schauerlichen Katastrophen oder hochherrschaftlichen Taufen und Hochzeiten, ging am Beginn der 48er-Revolution aus diesem Hause eine ganze Serie in Druck: "Das merkwürdige Jahr 1848. Europäische Freiheitskämpfe. Eine neue Bilderzeitung". Man hat errechnet, daß Kühn auf ein aktuelles Ereignis binnen drei bis vier Tagen reagieren konnte. Beinahe noch erstaunlicher ist der Spürsinn des Mannes, wenn er der auflodernden Revolution durch seinen Entschluß zur Serie einen langen Atem vorhersagte.

Mit den weit über Deutschland hinaus verbreiteten Bilderbogen sollte der Unternehmer aus der Kleinstadt Neuruppin auf seine Weise der Nachwelt im Gedächtnis bleiben wie die von ihm illustrierten Geschehnisse eines "merkwürdigen" Jahres. Genau so, wie er auf seine Weise dazu beigetragen hatte, daß eben auch die Erstürmung der Tuillerien in Paris - das erste Bild der Serie - oder der Berliner Barrikadenkampf - zweites und drittes Bild - keine lokalen Begebenheiten blieben. Unter den obwaltenden Umständen bildete nämlich die Serie mit beinahe 100 Blättern offenkundig die sich überstürzenden Ereignisse nicht nur ab, sondern griff auch in das Geschehen ein, dem braven Kühn mit Sicherheit nicht bewußt. Denn ein "Geheimnis" der einem Flächenbrand gleichkommenden europäischen Revolution von 1848/49 war die bis dahin unvorstellbar schnelle Reise einer Nachricht von einem Ort zum anderen. Der vielzitierte "überspringende Funke" konnte sich zweier 1789 (der ersten großen Revolution der Franzosen) noch unbekannter Transportmittel bedienen: der Eisenbahn und des Telegraphen. Und die gerade errungene Pressefreiheit ließ neue Zeitungen wie Pilze aus dem Boden schießen und alte in ihrem Urteil kühner werden, ergänzt um Flugschriften und Pamphlete, Broschüren und Karrikaturen en masse.

Die Bilderbogen aus Neuruppin (Werbespruch: "Neuruppin zu haben bei Gustav Kühn"), bildeten da nur ein weiteres, offenkundig sehr wirksames und beliebtes Medium zur Unterrichtung und Unterhaltung des immer neugierigen Publikums. Man greift deshalb nicht daneben, wenn Serien wie die über die 48er-Revolution als ein Vorläufer der Illustrierten Zeitungen und letztlich auch des Fernsehens angesehen werden.

In der märkischen Kleinstadt, wo bekanntlich auch Fontanes Wiege stand, wurden seit dem letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts Bilderbogen produziert: zunächst vom Vater Johann Bernhard Kühn (1750-1826). Aber erst nach 1822, unter der Geschäftsleitung des Sohnes Gustav (1794-1868), erlangte die Graphikproduktion Bedeutung. Der Erfolg des Familienunternehmens inspirierte andere in der Stadt, namentlich die Firma Oemigke & Riemenschneider. Der Ort war damals eine Hochburg dieses Gewerbes. Man schätzt die Anzahl der in Neuruppin verwendeten Motive auf etwa 22 000, die Gesamtauflage aller Bilderbogen auf mehrere hundert Millionen Exemplare. So wird verständlich, wenn Fontane 1861 ausrief: "Was ist der Ruhm der Times gegen die zivilisatorische Aufgabe des Ruppiner Bilderbogens?"

Eine Kehrseite hat das Ganze dennoch. Die von Gustav Kühn forcierte Ablösung des Holzschnitts durch die Lithographie, den Steindruck, ermöglichte einen größeren Ausstoß an Bogen: allerdings lange Zeit ebenfalls nur schwarz-weiß. Ihre typische Farbigkeit erhielten sie (bis 1890) mit Hilfe von Schablonen in Handarbeit. Dabei wurden sehr häufig Dutzende von Kindern beschäftigt, die die Arbeit der - in der Regel anonym bleibenden - Zeichner und Lithographen für einen Hungerlohn vollendeten. Immerhin: Kühn, der an der Berliner Kunstakademie studiert hatte, zeichnete und textete tatsächlich selbst. Und er setzte seine Serie über die 48er-Revolution auch dann noch fort, als sie ihm schon nicht mehr geheuer war.

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In Neuruppin sind zum Fontane-Jahr gleich mehrere Bilderbogenausstellungen zu sehen, haben doch das Heimatmuseum der Stadt und die nahe Bilderbogen-Galerie da besondere Schätze zu bieten. Und das Brandenburgische Landeshauptarchiv schickt zur 48er-Revolution von Cottbus aus eine Wanderausstellung, auch mit Bilderbogen-Motiven, auf den Weg.

2. Mai 1998
Neuruppin, Bilderbogen-Galerie, August-Bebel-Straße 47
Eröffnung der Bilderbogenausstellung:
"Schauderhaftes Attentat auf seine Majestät.Die Berichterstattung des 19. Jahrhunderts"

20. Juni - 6. September 1998
Bilderbogenausstellung:
"Ansprüche der modernen Frau"

13. September - 22. November 1998
Bilderbogenausstellung:
"Bürger - Bauer - Bettelmann. Das merkwürdige Jahr 1848"

10. Dezember 1998 - 17. Januar 1999
Bilderbogenausstellung:
"O Bilderbogen, welche Lust, welch´ Entzücken!"

Heimatmuseum Neuruppin
August-Bebel-Straße 14
Telefon: 03391/45 80 626

18. April 1998
Cottbus, Stadtmuseum, Bahnhofstraße 52
Eröffnung der Wanderausstellung:
"Die Revolution 1848 in Brandenburg"




 
 
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Brecht am Rande - in Buckow bei Berlin

"Lebensekel" vergällte dem Dichter die letzten Jahre/In der Märkischen Schweiz suchte er Ruhe/Besuch im Brecht-Weigel-Haus, dem Ort der "Buckower Elegien"/Neue Dauerausstellung aus Anlaß des 100. Geburtstages

Während die Hauptstadt dem Jubilar mit Ausstellungen, Aufführungen und anderen Aufmerksamkeiten ein beinahe lärmendes Willkommen zuruft, läuft ein Ort der Brecht-Verehrung Gefahr, dort in aller Stille zu verharren, wo er von Rechts wegen auch hingehört: an den Rand von Berlin. Zum 100. Geburtstag des Dichters ließe sich freilich ausnahmsweise anderes denken. Eine prominent besetzte Debattenrunde etwa mit in die Jahre gekommenen Schülern des Meisters. Das ist nicht vorgesehen. Was bedauerlich ist, aber den Vorteil hat, daß Buckow eine Adresse für Kenner bleibt. Denn hier, in dieser kleinen Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland, eine gute Autostunde von Berlin entfernt, hat Bertolt Brecht in seinen letzten Lebensjahren beinahe ebenso viel Zeit verbracht wie in seiner Stadtwohnung Chausseestraße 125. In einem Testament, dem vom Mai 1955, zieht er sogar in Erwägung, im Garten des Grundstücks sein Grab zu finden.

Es war gerade die Ruhe, die Brecht mit Ehefrau Helene Weigel hier 1952, nach den fünfzehn Jahren des Exils, suchte und fand, ein Versprechen in Gestalt zweier Landhäuser dicht beieinander, "auf schönem Grundstück am Wasser des Schermützelsees unter alten großen Bäumen... In das größere Haus könnte man Leute einladen". Was man reichlich tat: Hanns Eisler, Paul Dessau, Georg Lukacs, Erwin Strittmatter, Ruth Berlau, Elisabeth Hauptmann und die Schar der Jünger gingen ein und aus. Die Hausherrin war eine gute Köchin, und die in der Umgebung gesammelten Pilze verschmähte lediglich der Käse-Esser Brecht. An den Vormittagen wollte er freilich nicht gestört werden, was er durch einen Aushang bekanntgab. Am 9. August 1956, eine Woche vor seinem Tod, trat er das letzte Mal die Heimfahrt nach Berlin an.

Seit zwanzig Jahren beherbergt der Ort, genauer: das ehemalige Haus der Weigel samt Garten, eine Gedenkstätte, im Innern, in der einst als Atelier gebauten Halle, noch immer mit den schönen alten Möbeln der Kunstliebhaberin eingerichtet, die passende Umgebung für literarisch-musikalische Veranstaltungen. Die wird es, wie gewöhnlich, auch im Jubiläumsjahr 1998 geben. Und wie gewöhnlich wird vom Garten aus der Blick auf das zweite Anwesen mit Brechts Arbeits- und Schlafräumen schweifen - nur: betreten kann man es nicht. Das "Gärtnerhaus" wird von den Erben privat genutzt.

Neu ist hingegen die im sogenannten Bootshaus direkt am Wasser untergebrachte Dauerausstellung zum Thema "Brecht - ein Autor des Widerspruchs - ein widersprüchlicher Autor", die zum Geburtstag am 10. Februar erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. Eine verdienstvolle Sache, aber als einziger Programmpunkt an diesem Tage dem Jahrhundert-Jubiläum auch angemessen? Verwunderlich ist jedenfalls schon, daß die Gedenkstätte in Buckow - anders als die ehemalige Wohnung in der Chausseestraße 125 und das Brecht-Archiv dort - nicht als Teil der Stiftung Archiv der Akademie der Künste geführt wird. Trägt doch die Akademie auch Brandenburg in ihrem Namen. Nach einer Anbindung an den Landkreis gehört das Haus in Buckow seit Sommer vorigen Jahres zu einer Kulturgesellschaft GmbH Märkisch-Oderland, einer Sozietät, die noch sieben weitere, sehr unterschiedliche Einrichtungen im Kreis verwaltet. Wissenschaftliche Beratung ist den Brecht-Dienern zwar gegeben, aber auch Zuspruch und Präsenz von prominenter Seite?

So bleibt den Ausstellungsmachern unter Margret Brademann, der Leiterin des Hauses, die Hoffnung, daß das neue Konzept vor allem bei den jährlich tausenden Besuchern aufgeht. Die alte Exposition war nicht frei von einer gewissen Glätte, ließ zu viele Fragen offen. Jetzt soll der Dichter auch in seinen Konflikten gezeigt werden. Denn Brecht (ver-)zweifelte mehr an den neuen Zeiten, als es der von ihm gewählte Staat guthieß.

Davon sprechen nicht nur die im Sommer 1953 in kurzer Zeit hier niedergeschriebenen berühmten "Buckower Elegien", eine poetische Reaktion auf den Schock des 17. Juni. Gerade in den gut vier Jahren, in denen Brecht bis zu seinem Tode die Stille und Zurückgezogenheit am Schermützelsee schätzen lernte, geriet der Dialektiker in Turbulenzen, die an seinen Reserven zehrten, nicht nur den körperlichen. Bereits im Juli 1952 fällt in Buckow angesichts der zugespitzten Weltlage der Satz, daß jetzt "nur China zur Emigration" bliebe. (Im Juni 1935 war Brecht die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden - wiederbeantragt hat er sie nie.) Ein Freund aus jenen DDR-Tagen, der Literaturwissenschaftler Hans Mayer, will beim späten Brecht "Lebensekel" ausgemacht haben. So daß das "Epitaph für M." von 1946 auch dessen Lage widergeben könnte: "Den Haien entrann ich/Die Tiger erlegte ich/Aufgefressen wurde ich/Von den Wanzen."

Während sein Stern im Ausland aufging, namentlich in Österreich, Frankreich und Italien, litt Brecht sichtlich unter der dogmatischen, kleingeistigen Kulturpolitik der DDR. Man begegnete seiner Kunst mit Unverständnis und Mißtrauen. Das gleiche Schicksal widerfuhr Hanns Eisler, immerhin Komponist der Nationalhymne, den die Ablehnung seines "Faust"-Stoffes 1953 in Depression und Alkohol trieb. Das Theater am Schiffbauerdamm wurde dem Berliner Ensemble schließlich im Frühjahr 1954 nach langem Hin und Her zugesprochen, in der Hoffnung, das große Haus hätte "eine erzieherische Wirkung" auf den Stückeschreiber und Regisseur. Anders als bei einer kleinen "Quetsche" könne er dann "seinen Primitivismus und Puritanismus nicht durch mangelnde Technik entschuldigen", wie es in einer internen Mitteilung an Ulbricht heißt.

Hinzu kamen Alltagsärgernisse: Auf seinen Fahrten zwischen Berlin und Buckow sah sich Brecht von den Grenzern in Hoppegarten, nach alliiertem Recht Kontrollpunkt für die Viersektorenstadt, wiederholt durch "groben Ton" schikaniert, für die mitgeführten Reiseschreibmaschinen (Mercedes Nr. 215553 und Olympia Nr. 50359) brauchte der Nationalpreisträger eine Sondergenehmigung des Ministeriums für Außenhandel und Innerdeutschen Handel. Und wie irgendein Herr Meier beantragte er in der Kreisstadt Petroleum, weil die abendliche Stromsperre in Buckow die Arbeit behinderte. Mißt man mit heutigen Maßstäben, fällt die "Privilegierung" Brechts doch recht bescheiden aus. Er kannte übrigens den Vorwurf, er sei von den Machthabern im Osten bestochen worden. Dazu stellte er Ende 1952 klar: "Ich habe meine Meinungen nicht, weil ich hier bin, sondern ich bin hier, weil ich meine Meinungen habe." Im Mai 1955 erhielt der Dichter in Moskau den Stalin-Preis. Ein halbes Jahr nach den Enthüllungen des XX. Parteitages der KPdSU (Februar 1956) über die Verbrechen des Diktators starb Brecht. Seine letzten Worte waren: "Laßt mich in Ruhe!"

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Brecht-Weigel-Haus
Bertolt-Brecht-Straße 29
15377 Buckow
Telefon/Telefax: 03 34 33/4 67

Veranstaltungen des Brecht-Weigel-Hauses im Jubiläumsjahr

10. Februar 1998, 11.00 Uhr
Eröffnung der neuen Dauerausstellung

15. April 1998, 15.00 Uhr
Premiere des Brecht-Programms für Kinder "Glotzen ist nicht sehen"

24. bis 28. Juni 1998, 16.00 Uhr
Literatursommer, täglich Lesungen

28. Juni 1998, 15.00 Uhr
Literaturfest mit Lesungen im Garten, in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg, mit Volker Braun, Kerstin Hensel, Rainer Kirsch, B. K. Tragelehn

28. Juni 1998, 19.00 Uhr
"Klassik im Grünen", Abschlußkonzert des Literatursommers mit Werken von Hanns Eisler und Kurt Weill

02. bis 06. September 1998, 16.00 Uhr
Film-Woche mit biographischen Filmen über Bertolt Brecht und Werkverfilmungen




 
 
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Ein König kommt sich selbst abhanden

350 Jahre Westfälischer Friede: Das Gustav Adolf-Projekt der Ruhrfestspiele reist von Marl nach Wittstock und Stockholm

Wenn Kirchenbänke in einer alten Lagerhalle herumstehen, kann das nur heißen: die haben ihren Zweck erfüllt und wurden ausrangiert. Wenn die Halle aber im westfälischen Marl ihren Platz hat und die Bänke aus dem viele hundert Kilometer entfernten Wittstock in Brandenburg stammen, geht die Deutung vielleicht doch in die Irre. Der aufwendige Umzug des Gestühls ist in der Tat Teil eines Projekts, das beide Orte in den nächsten Wochen ins Gespräch bringen wird: Das Gustav Adolf-Projekt.

Die Ruhrfestspiele Recklinghausen beginnen die neue Saison, das 8. Europäische Festival, Anfang Mai mit einem Strindberg-Stück über den schwedischen König. Und weil die an Bayreuth gemahnende Festspielhalle seit zwei Jahren umgebaut wird, fand man, wie schon im Vorjahr, in der "Eisenlagerhalle auf der Schachtanlage Auguste Victoria 1/2" in Marl-Hüls einen anderen Spielort. Der ist allerdings in seiner Kargheit so wenig "Ersatz" wie ein zweiter in seiner Feierlichkeit Ende Juni - die St. Marienkirche in Wittstock. Die Wanderung der Kirchenbänke symbolisiert ein Stück Festival-Coproduktion der beiden Städte und Partnerländer Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Doch dazu später.

Beide Spielstätten versprechen einen besonderen Reiz, weil sich der Kontrast zwischen der mobilen, leicht angeschrägten Bühne aus blitzendem Edelstahl und dem Gemäuer der ausgedienten Halle einerseits, dem wuchtigen Kirchenbau mit seinen großen Seitenschiffen und der eingezogenen Holzgalerie andererseits nicht größer denken läßt. Und dann auch noch das "Grabtuch", ein riesiges Tuch aus grobem, grauen Nesselstoff, das Decke und Wände verhüllt, in langen Reihen mit Sterbedaten bedruckt, auch ganz privaten, gefertigt vor allem von jungen Leuten aus Marl und Münster, Wittstock und Wittenberg. Und aus Stockholm... Dahin hinein stellt Festspielleiter und Regisseur Hansgünther Heyme (63) das selten gespielte Stück über Gustav II. Adolf (1594-1632), der im Dreißigjährigen Krieg bei Lützen, auf deutschem Boden, sein Leben ließ.

Daß der Friede, der diesen verheerenden Krieg 1648 beendete, beschlossen in Münster und Osnabrück, 1998 ein Jubiläum hat, war für Heyme willkommener Anlaß, den Strindberg-Stoff, ohnehin alles andere als ein Historiengemälde, auszugraben. Was er fand, ist die Geschichte eines Mannes, der tragisch scheitert, weil ihm die Maßstäbe eigenen Handelns verloren gehen. Was ist richtig, was gut, was wahr? Der König kommt sich selbst abhanden, weil Feindbilder bröckeln, Grenzen verschwimmen und mit ihnen sicher geglaubte Werte. Dennoch geht der Kampf auf den Schlachtfeldern weiter.

Der Piscator-Schüler Heyme fühlte sich beim neuerlichen Lesen des Textes an den Kosovo, an Nordirland, an Algerien erinnert. "Alles Strindberg", wehrt Heyme den Verdacht ab, er hätte die zweistündige Fassung (von geschätzten sieben) "aktualisiert". Aber er sagt auch: "Wenn Kunst nichts mehr mit Wirklichkeit zu tun hat, wird sie abstrus, wird sie unwichtig." Strindberg, der das Stück vor hundert Jahren schrieb, hat Gustav Adolf seinen "Nathan" genannt, dazu berufen, in den Wirrnissen und Grausamkeiten des Krieges Frieden und Eintracht unter den Konfessionen zu stiften. Die Titelrolle spielt übrigens der Schweizer Peter Kaghanovitch, seit Jahren dem Regisseur und den Festspielen verbunden. Auch Schauspieler aus dem Osten sind für das Projekt gewonnen worden, ein Novum - so sehr wie das Gastspiel in Brandenburg.

Mit drei Aufführungen in Wittstock/Dosse, keine zwei Autostunden nördlich von Berlin gelegen, verbindet sich die Erinnerung an eine der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges: Vor den Toren der Stadt brachten die Schweden im September 1636, vier Jahre nach dem Tod ihres Königs, den kaiserlichen Truppen eine vernichtende Niederlage bei, nachzulesen in Schillers Geschichtswerk über diesen Krieg. Auch für Wittstock, gerade 750 Jahre alt, und während der Kämpfe schwer in Mitleidenschaft gezogen, Anlaß, in einer Art Doppeljubiläum des Friedensschlusses in Westfalen zu gedenken. Heyme jedenfalls zeigt sich beglückt von der mächtigen Kirche in der Altstadt als Spielstätte - und vom Zuschuß des gastgebenden Bundeslandes, der das Vorhaben endgültig sicherstellte. Daß die Kirchenbänke dann wieder an ihren Ort zurückgekehrt sind, wird dem ungewöhnlichen Spiel keinen Abbruch tun.

Wie wenig man übrigens den Schweden heute noch ob ihres Sieges vor Wittstock gram ist, zeigt sich daran, daß Stockholm, die "Kulturhauptstadt Europas 1998", als dritte Station des Projekts vorgesehen ist. "Gustav Adolf" wird Anfang September innerhalb eines großen Strindberg-Festivals am "Stadsteater" aufgeführt werden, das sich seinerseits mit Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" in Recklinghausen präsentiert. Das Stück trägt bekanntlich den Untertitel "Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg".

-oy-

Informationen über das Gustav Adolf-Projekt:

Aufführungen in Marl-Hüls am 3. Mai 1998, 18.00 Uhr (Premiere),
vom 5. bis 10. Mai, vom 13 bis 17. Mai;
Kartenstelle der Ruhrfestspiele Recklinghausen, Europäisches Festival,
Telefon: 02361/92 18-0

Aufführungen in Wittstock/Dosse am 25., 26. und 27. Juni 1998;
Infos und Karten: Fremdenverkehrsbüro Stadt Wittstock/Dosse,
Telefon: 03394/43 34 42




 
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Die Aussteiger von Citeaux und Chorin

Vor 900 Jahren wurde der Orden der Zisterzienser gegründet/An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) untersucht ein Forum das zivilisatorische Wirken der Grauen Mönche

Vor 900 Jahren, im März 1098, entstand im burgundischen Citeaux, nahe Dijon, der Zisterzienserorden. Er breitete sich schnell über Europa aus, gerade auch in den deutschen Sprachraum hinein, und erlebte im 12. und 13. Jahrhundert seine Blütezeit mit 647 Klöstern, allein in Deutschland mit etwa 150 Abteien. (Theodor Fontane spricht sogar von insgesamt 2000 Klöstern.) Heute gibt es weltweit noch rund 150 Männer- und Frauenklöster des Ordens. An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) wird aus Anlaß des Jubiläums vom 17. bis 21. Juni 1998 ein Europäisches Zisterzienserforum durchgeführt, denn mit 17 Klöstern im heutigen Land Brandenburg (u.a. in Chorin, Lehnin und Zinna) hat die Region dem Wirken der "Grauen Mönche" viel zu verdanken. Wir sprachen mit den Organisatoren der Tagung Professor Dr. Dr. Ulrich Knefelkamp und Dr. Wolfgang F. Reddig.

Frage:

Was waren, was sind Zisterzienser, verglichen mit anderen Orden der Zeit und später?
Knefelkamp:
Die Zisterzienser wollten sich vom Mönchtum der Benediktiner, woher sie kamen, namentlich von dem der Cluniazenser (Kloster Cluny) abgrenzen. Die lebten mittlerweile in Saus und Braus. Um verlorengegangene Ideale wiederaufzurichten, lautete deshalb der neue Wahlspruch: Ora et labora, bete und arbeite! Die Bettelmönche knüpften später daran an, gingen aber in die Städte. Wie dann auch Dominikaner und Franziskaner. Zisterzienser waren agrarisch orientiert.
Frage:
Woher kommt der Name des neuen Ordens? Von Zisterne?
Knefelkamp:
Nein. Der Name verweist auf den Gründungsort, auf Citeaux. Zisterzienser sind die Leute, die von Citeaux kommen. Ihr Kloster ist eine Zisterze.
Reddig:
Eine Zisterne fängt Regenwasser auf, eine Zisterze Mönche. (Lacht) Inwieweit der Ortsname Citeaux an römische Vorgeschichte erinnert, ist eine andere Frage.
Frage:
Die Kleidung, das Habit wechselt - von schwarz zu weiß. Oder grau?
Reddig:
Beides. Gemeint ist ein ungefärbter Wollstoff. Daß der nicht immer weiß bleibt, versteht sich. Deshalb auch die Rede von den Grauen Mönchen. Im übrigen spielte die Optik eine große Rolle: Wer als Adliger in den - anerkannten - Orden der Benediktiner eintrat, war etabliert. Wer das bei den Zisterziensern tat, setzte auf Risiko. Das waren Aussteiger.
Frage:
Wie sah der Alltag aus?
Knefelkamp:
Es gab strenge Regeln. Ohnehin begann im Mittelalter der Tag sehr früh, der Rhytmus war ans Tageslicht gebunden. Die Mönche standen gegen drei oder vier auf, zum ersten Gebet. Gerufen durch die Glocke, regelte Beten alle vier Stunden den Tag. Dazwischen lagen die Arbeit und drei Mahlzeiten, wenn nicht Fastenzeit war.
Frage:
Galten für die Nonnen des Ordens andere Regeln?
Knefelkamp:
Daß Frauen überhaupt aufgenommen wurden, war neu und hing mit einer besonderen Frömmigkeitsbewegung von Frauen in dieser Zeit zusammen. Natürlich gab es vorher auch schon Frauenklöster, das waren Versorgungseinrichtungen für reiche Töchter.
Frage:
Der Orden breitete sich in Europa schnell aus. Gibt es dafür eine Erklärung?
Knefelkamp:
Auch hier, wie bei der Bewegung der Frauen, paßt das moderne Wort vom Zeitgeist. Man wandte sich gegen die reicher werdende Kirche. Dann spielten charismatische Figuren wie der Abt Bernhard von Clairvaux (1090-1153) eine wichtige Rolle, die in einer Art Schneeball-Effekt zur Gründung immer neuer Klöster anregten.
Frage:
Das Land Brandenburg weist in Deutschland eine hohe Dichte an ehemaligen Zisterzienser-Klöstern auf. War das Gebiet zwischen Elbe und Oder ein bevorzugtes Siedlungsgebiet?
Knefelkamp:
In einer zweiten Phase der Ausbreitung würde ich dem zustimmen. Der erste Schub geht über den Rhein bis nach Thüringen, der dritte über die Oder bis zur Weichsel.
Reddig:
Nicht zu vergessen: Die Mönche kamen nicht einfach, sie wurden geholt. In der Mark gab es seitens der deutschen Herrscher das Interesse, Leute zu gewinnen, die sowohl missionarisch als auch - das vor allem - kolonisatorisch in der Lage waren, das Land voranzubringen.
Knefelkamp:
Die noch immer ansässigen Slawen waren praktisch unterworfen, ganze Landstriche zugleich unbewohnt und nicht kultiviert. Jetzt sollte Stabilität einziehen: politisch, wirtschaftlich, auch "ideologisch", wenn Sie so wollen. Für eine solche Aufgabe waren die Zisterzienser bestens geeignet. Ihnen folgten Siedler, beispielsweise aus Holland, Experten, die Sümpfe trockenlegen konnten.
Frage:
Wie entwickelt muß man sich das Gebiet vor der Ankunft der Mönche denken?
Knefelkamp:
Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Tatsache ist, daß der bewohnbare und nutzbare Raum im Verhältnis zur unberührten Natur relativ klein war. Mit dem Interesse der Territorialfürsten, die Zahl der Untertanen zu vergrößern, wuchs das Interesse an der Urbarmachung des Landes.
Frage:
Der Orden wird in Frankreich gegründet. Sind das Franzosen, die in die Mark kommen?
Reddig:
Nein. Franzosen kommen ins Rheinland, Rheinländer nach Thüringen... Konkret: Klostergründer in Schlesien waren an der Saale zu Hause, in Brandenburg kamen sie aus Thüringen oder vom Harzrand. Die ersten Mönche an einem neuen Ort entstammten damit nicht der Region, sondern waren Fremde.
Knefelkamp:
Dann suchte man sich junge Männer aus der Gegend und ging auch wieder ins angestammte Kloster zurück, wenn Regeln und Fertigkeiten vermittelt waren.
Frage:
Wie stellen Sie sich heute zu Begriffen wie "Germanisierung" und "Christianisierung" angesichts der historischen Rolle des Ordens?
Knefelkamp:
Die moderne Wissenschaft benutzt beide Begriffe möglichst nicht. Das ist Geschichte, die Sprache von Wissenschaftlern, die einer bestimmten idelogischen Sicht verhaftet waren. Zutreffender ist, von einer Begegnung, Überlagerung, auch Konfrontation der Kulturen zu sprechen, an deren Ende eine Vermischung steht.
Frage:
Offenkundig gab es eine Zeit, in der die zivilisatorischen Leistungen der Mönche überschätzt wurden. Wie ist gegenwärtig der Stand?
Knefelkamp:
Richtig. Die Dinge sind in Bewegung geraten hin zu einer eher maßvollen, differenzierten Sicht. Deshalb suchen wir auf unserem Forum auch den Vergleich: Wie sah es aus in Holland, England, Dänemark, Polen...
Frage:
Was interessiert die Forschung heute überhaupt, was will Ihre Tagung erörtern?
Knefelkamp:
Neben dieser vergleichenden Betrachtung besteht ein Hauptanliegen darin, die Zeit zwischen 1500 und heute auszuleuchten und die Frage zu beantworten: Was ist aus den Zisterziensern und ihren Zeugnissen nach der Reformation geworden? Und schließlich geht es um das Thema: Kloster und Umfeld. Früher standen Bauten und Mystik der Ordensleute im Vordergrund der Forschung, heute gräbt man auch archäologisch und sucht in der von den Mönchen umgestalteten Landschaft nach Spuren ihres Wirkens.

Interview: Lutz Hoyer

Unsere Gesprächspartner:

Prof. Dr. Dr. Ulrich Knefelkamp, Jahrgang 1951, Historiker, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Professur für Mittelalterliche Geschichte Mitteleuropas

Dr. Wolfgang F. Reddig, Jahrgang 1962, Historiker, Projektmitarbeiter, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)



 

   

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